Agnes Würsch

Engagement – Ausgabe 4 | 2014

Steter Tropfen höhlt den Stein

Agnes Würsch, Verantwortliche für Schuldenprävention bei Plusminus, der Budget- und Schuldenberatung Basel, über Jugendliche, die sehr wohl mit Geld umzugehen wissen - aber etwas Wichtiges gerne vergessen.

Frau Würsch, Sie setzen sich tagtäglich mit den Themen Jugend, Konsum und Geld auseinander. Was beschäftigt die Jugendlichen?

Dass sie (zu) wenig Geld zur Verfügung haben. Sie shoppen gern, gehen gern aus und wollen gut aussehen - das verfügbare Budget reicht oftmals nicht ...

... und dann verschulden sie sich?

Falsch. Die wenigsten Jugendlichen verschulden sich für Konsumgüter. Und die weitverbreitete Behauptung, junge Erwachsene könnten nicht mit Geld umgehen, stimmt auch nicht. Die meisten Jugendlichen sind sogar sehr geschickt darin. Ein Stolperstein für viele ist aber das Schweizer Inkassosystem für die Steuern: Sie werden erst fällig, nachdem das Geld längst verdient und ausgegeben worden ist. Das ist sehr verschuldungsfördernd.

Sie führen Workshops durch. Worum geht es?

Darum, wie man leben will, welche Werte man hat, was einem wichtig ist und was man bereit ist, dafür zu tun. Und selbstverständlich geht es ums Budget. Wir arbeiten unter anderem mit der Unterrichtseinheit "Budgetiert - kapiert in 90 Minuten", die wir mit der Schweizerischen Post entwickelt haben, und dem Onlinelernspiel "EventManager" von PostFinance. Dieses rückt das Budget ins Zentrum und soll somit den Jugendlichen helfen, ihren persönlichen Umgang mit Geld zu reflektieren und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Ausgaben auf sie zukommen.

Sind die Jugendlichen offen dafür?

Für die Themenkomplexe Geld, Handy, wie komme ich mit meinen knappen Mitteln besser durch, ja. Hingegen kommt das Kernthema "Budget" spontan meist nicht wirklich gut an. Es hat den Ruf, langweilig zu sein. Sobald sich jemand in der Gruppe aber bereit erklärt, seine Finanzen offenzulegen, wird es interessant. Zudem stellt sich in der Regel heraus, dass dieser Person am Ende jeden Monats Geld fehlt, weil wichtige finanzielle Aspekte wie Steuern nicht einkalkuliert werden. Wer den Workshop verlässt, weiss, dass es wichtig ist, für die Steuern Geld beiseitezulegen, und zwar vom ersten Zahltag an.

Spielerisch den Umgang mit Geld lernen

Damit Jugendliche spielerisch den Umgang mit Geld lernen, hat PostFinance das Onlinelernspiel "EventManager" entwickelt. Probieren Sie es aus. Zum Spiel

Ein Tropfen auf den heissen Stein?

Wir sind dabei, das Problem auch "überindividuell" anzugehen. So möchten wir Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dazu animieren, ihren Angestellten anzubieten, die Steuern freiwillig jeden Monat direkt vom Lohn abziehen zu lassen. Das Projekt "Steuerschulden halbieren" haben wir bei uns bis ins Jahr 2020 auf dem Programm. Das ist ein Prozess, der Geduld vorraussetzt. Aber wie heisst es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein.